TIPP: ABFINDUNG


Steuertipp: Abfindung

Üblicherweise werden dann Abfindungen an Arbeitnehmer gezahlt, wenn sich die Vertragspartner über die Wirksamkeit einer Kündigung streiten und es zu einem außergerichtlichen oder gerichtlichen (freiwilligen) Vergleich kommt. 

Abfindungen sind Zahlungen wegen Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses, sollen den Verlust des Arbeitsplatzes entschädigen, sind letztendlich als Schadenersatz zu werten.

Es sind Abfindungszahlungen denkbar, die mit Gehaltseinbußen einher gehen. Wandelt der Arbeitgeber eine Vollzeitstelle in eine Teilzeitstelle um oder der Arbeitnehmer wird in einen weniger attraktiven Betriebsteil, an einen schlechter bezahlten, geringwertigeren Arbeitsplatz versetzt, dann ist die Abfindung für zukünftige Gehaltseinbußen gedacht. 

Eine Entschädigung oder Abfindung sieht der Fiskus als Teil des Arbeitslohnes und ist deswegen voll steuerpflichtig.

Da der Arbeitgeber die Abfindung zu einem bestimmten Stichtag auszahlt, meist mit der letzten Gehaltsabrechnung, ballen sich die Einkünfte in diesem Gehaltsmonat zusammen und führen dazu, dass der Höchstsatz der Steuerprogression erreicht wird.

Der Gesetzgeber führte die sog. 1/5 Regelung ein, das einzige verbliebene Privileg, die früheren Freibeträge sind gänzlich entfallen. Schließlich will der Fiskus auch von der Abfindung profitieren. Bei Millionenabfindungen ist das verständlich, nicht aber beim Durchschnittsverdiener, der, wenn er Glück hat, mit einem Jahresgehalt abgefunden wird, keine Aussicht auf einen neuen Job hat und mit diesem Geld schlichtweg den Lebensunterhalt für sich uns seine Familie zu finanzieren hat.

Die 1/5 Regelung vollzieht mehrere Rechenschritte. Hierbei wird zunächst das zu versteuernde Einkommen ohne Abfindung ermittelt. Dann ist die Steuer zu errechnen, die auf 1/5 der Abfindungszahlung entfällt, wenn Sie dem vorherigen steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet wird. Der Betrag ist zu verfünffachen und ergibt die Steuer für den Abfindungsbetrag.

Wichtig ist bei der Frage der Steuergestaltung, das zu versteuernde Einkommen - ohne die Abfindung - so niedrig wie möglich zu halten, damit auch der hinzuzurechnende Progressionssatz für die Abfindung möglichst niedrig bleibt.

Es liegt nahe die „zusammengeballten Einkünfte“ im Folgejahr auszahlen zu lassen, wenn der Arbeitnehmer damit rechnet, keinen Job mehr zu bekommen und die Einkommensteuerprogression bei fast „Null“ angelangt ist.

In einem kürzliche veröffentlichen BFH Urteil (AZ IX R 1/109) entschied der Senat, dass auch bei einer Abfindungszahlung, die statt im November im folgenden Jahr gezahlt wird eine „Zusammenballung“ von Einkünften vorliegt und der Arbeitnehmer die 1/5 Regelung beanspruchen kann. Das Finanzamt hat das bislang abgelehnt. Mit Verweis auf dieses Urteil sollte der Arbeitnehmer in seiner Steuererklärung die 1/5 Regelung im folgenden Jahr beantragen und diesen Gestaltungsspielraum mit seinem Arbeitgeber nutzten.

Eheleute sollten die sog. „getrennte Veranlagung“ prüfen und ggf. beantragen.

Andere völlig steuerfreie Möglichkeiten bieten sich, wenn dem Arbeitnehmer Kosten ersetzt werden, die der Arbeitgeber im Rahmen der Entlassung übernimmt. Dazu gehören Kosten für Outplacement – Beratung, Bewerbertraining, Kosten für einen Firmenwagen, allerdings unter Berücksichtigung des geldwerten Vorteils (1% Regelung).

Sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die steuerliche Auswirkung einer Abfindungsvereinbarung nicht sicher, bietet sich eine Anrufungsauskunft beim Finanzamt an. Nach Schilderung des Sachverhalts erteilt das Finanzamt einen für alle Beteiligten bindenden Bescheid.

Steuertipp: Denkbar ist im Falle der Freistellung die Vorverlegung des Ausscheidungsdatums, damit die dann noch zu beanspruchenden Bezüge als Abfindung ausgezahlt werden können.